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Lage und Fluren

Erdpreß wurde 1208 erstmals erwähnt. Der Ort liegt im Bezirk Gänserndorf, am Sulzbach zwischen den Dörfern Niedersulz und Spannberg und ist eine Katastralgemeinde der Gemeinde Sulz im Weinviertel. 170 m beträgt Seehöhe. Eine Flurfläche von 4,85 km² gehört zum Ort und grenzt an die Gemeinden Niedersulz, Obersulz, Loidersthal, Spannberg und Hohenruppersdorf. Die Siedlung erstreckt sich entlang des Flusstales, wo der Grundwasserspiegel für Brunnen leicht erreichbar ist.

Die Flurnamen benennen jeweils südliche und nördliche Hofäcker, Neubergen und Schmallissen. In der Bezeichnung „Überfeld“ findet sich die Bedeutung Überland. Kleinfeld und Hühnerberg sind weitere Flurnamen.

(Marianne Messerer, Die Unterschichten der ländlichen Bevölkerung mit Beispielen aus dem Weinviertler Museumsdorf Niedersulz. Wien 2008)

 

Zum Ortsnamen

1280 urk. Ertprust, 1590 Erdtpreß genannt. Die Bedeutung geht am ehesten auf einen „Erdabbruch, Abgrund oder Erdriss“ zurück. Auch Name für ehemalige Befestigung möglich. Die Tilgung des „t“ führt zu –preß und ist einen Ableitung von mhd.-bair. „brechen“.

(Marianne Messerer, Die Unterschichten der ländlichen Bevölkerung mit Beispielen aus dem Weinviertler Museumsdorf Niedersulz. Wien 2008)

Priester, die in Erdpreß Seelsorger waren

Priester, die seit Errichtung der Kirche in Erdpreß Seelsorger waren: 

(Johann Öttl, OSR Friedrich Wendy)

Pater Friedrich HLAWATSCH (1891 bis 1915):

Die Landwirtschaft, die zum Pfarrhof gehörte, (etwa 62 [[Joch (Maß)]] Ackerland und Weingärten) betrieb er noch mit einigen Arbeitern. Er hat die Gemeinde Erdpreß beim Neubau der Kirche eifrigst unterstützt, half beim Abfassen der Gesuche und bat erfolgreich um Spenden für das neue Gotteshaus. Viermal wöchentlich ging er nach Erdpreß zum Religionsunterricht oder um wochentags Gottesdienst zu feiern.

Die Pfarrchronik seiner Zeit ist ausführlich, interessant und in gestochener [[Kurrentschrift]] abgefasst. Der Teil der Chronik, den er schrieb, gibt Zeugnis von seinem Bienenfleiß und von seiner dichterischen Ader. Er schrieb über 70 wissenschaftliche Artikel, die in verschiedenen Zeitungen und Fachzeitschriften veröffentlicht wurden.

Am 5.9.1909 wurde der Erdpresser [[Burschenverein]] gegründet, der in den darauffolgenden Jahren bis zum Beginn des [[Ersten Weltkrieges]] eifrig Theater spielte. Der Verein spendete für die neue Kapelle zwei Fahnen.

Am 4. Februar 1915 verließ Pater Friedrich Hlawatsch wegen Krankheit Niedersulz. Fast 24 Jahre lang war er Pfarrer in Niedersulz und Erdpreß. Mit ihm verlor die Pfarre einen großen Freund der Jugend. Am 15. Juni 1942 starb er im 83. Lebensjahr in Heiligenkreuz. Er war nach seiner Tätigkeit in der Pfarre Niedersulz noch Sub[[prior]] und [[Archivar]] im [[Stift Heiligenkreuz]].

Pater Placidus von ARWAY (1915-1945 ):

Er hat die Landwirtschaft sofort nach seinem Amtsantritt verpachtet. Seine Amtszeit erstreckte sich über die Zeit des Ersten Weltkrieges, durch die furchtbare [[Zwischenkriegszeit]] bis zum Ende des [[Zweiten Weltkrieges]].

Es würde den Rahmen dieser Festschrift sprengen, auf die großen Probleme dieser Zeit einzugehen. Einige wichtige Ereignisse sollen doch erwähnt werden.

Im Ersten Weltkrieg waren etwa 45 Burschen und Männer aus Erdpreß eingerückt.18 von ihnen verloren zwischen 1914 – 1918 ihr Leben in [[Galizien]] und vor allem in den furchtbaren [[Isonzoschlachten]] in Italien. 

kriegerdenkmal
[[Kriegerdenkmal]]

 

24 Menschen, die in Erdpreß beheimatet waren, kamen durch den Zweiten Weltkrieg ums Leben. 20 Soldaten fielen auf den Schlachtfeldern zwischen Polarkreis und Nordafrika, vor allem in den unendlichen Weiten Russlands, zwei junge Männer wurden während der Kampfhandlungen in Erdpreß ermordet, zwei Buben Gewalttaten und Plünderungen, verunglückten durch eine Handgranate, mit der sie spielten. Das waren etwa 10% der Einwohner von Erdpreß. Dieser sinnlose Tod und die schrecklichen Kriegsereignisse in der Heimat, vor allem die Kampfhandlungen im Jahr 1945 und die grausamen, hinterließen tiefe, schmerzhafte Wunden in den Herzen der Überlebenden.

Pater Rudolf Frank

war gebürtiger Kärntner. Er stellte sich mutig gegen das NS-Regime und dürfte von seinen Ordensoberen anfangs 1945 in den Pfarrhof in Niedersulz in Sicherheit gebracht worden sein. Er war nur einige Wochen hier. Am 17.4.1945 fand er den Tod, als er Frauen und Mädchen, die sich in den Pfarrhof geflüchtet hatten, vor betrunkenen Russen zu schützen suchte.

In der Zeit von 1938 bis 1945, da Österreich gewaltsam dem Deutschen Reich angeschlossen war, war der Ton der Zeitungen und Zeitschriften religions- und kirchenfeindlich. Kirchliche Vereine wurden aufgelöst. Eifrigst wurde der Austritt aus der Kirche propagiert, allerdings mit geringem Erfolg in unseren Orten. Bald gab es einen empfindlichen Mangel an katholischen Lehr- und Gebetbüchern. Mit 1. Jänner 1939 traten die Standesämter an die Stelle der [[Matriken]]führung beiden Pfarrämtern.

Einige Feiertage wurden aufgehoben (Leopoldi, Maria Empfängnis, Dreikönig, Maria Himmelfahrt, Allerheiligen), Fronleichnam und Christi Himmelfahrt mussten auf den folgenden Sonntag verlegt werden. Die Feuerwehr durfte an keiner Prozession teilnehmen, [[Prozession]]en mussten dem Gemeindevorsteher angezeigt werden und durften nur auf kircheneigenem Grunde stattfinden. Den Lehrern wurde verboten, die Orgel zu spielen oder den Kirchenchor zu leiten. Mit 1.5.1939 wurden von den Bürgermeisterämtern die heiligen Messen auf Meinung der Gemeinde eingestellt.

Was die heiligen Messen für Dienstag in Erdpreß betrifft, hat die Gemeinde die Beistellung des Pferdefuhrwerkes für den Pfarrer eingestellt. Gläubige fuhren den Priester freiwillig von Niedersulz nach Erdpreß und zurück. Die Kirche bekam keine Zuwendungen mehr vom Staat. Die Pfarre musste selber die Kirchenbeiträge einheben. Grundlage dafür bildeten das Ausmaß der Ackerflächen oder die Höhe des Einkommens: bis 9 Joch – 3 RM, bis 13 Joch – 6 RM, bis 21 Joch und darüber – 15 RM.

In Erdpreß wurde am 29. November 1939 im Hause des Pfarrkirchenrates Schuller Nr. 9 die Einzahlung durchgeführt. Die Kirchenbeitragspflicht wurde von den Gläubigen nicht besonders begrüßt, das Ergebnis war trotzdem außerordentlich zufriedenstellend mit über 1.100 RM. Der Betrag von 1182 RM wurde der Finanzkammer der Erzdiözese überwiesen. 

ratschenbuben
Ratscherbuben in Erdpreß, 1941/42 

 

Auch in den nächsten Jahren wurden die Kirchenbeiträge von der Pfarre eingehoben. Nur eine Familie aus Erdpreß hat den Kirchenbeitrag nicht bezahlt.

Am 12. Februar 1940 feierte Hochw. Placidus von Arway sein 25-jähriges Pfarrerjubiläum. Am 6. August 1940 feierte der Herr Pfarrer in körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag.

Am 11.10. 1945 verließ Pater Placidus die Pfarregemeinde Niedersulz. Er hat die Pfarre 30 Jahre hindurch betreut.

Von 1938 bis 1945 war Pater Adolf Niemetz Kaplan. 

Monsignore Professor Dr. Josef KOCH (1945 – 1986):

Er wurde am 14. Oktober 1915 in Saitz in [[Südmähren]] geboren, maturierte 1934 mit Vorzug in Brünn und studierte Theologie in Brünn und Prag, wo er 1939 zum Priester geweiht wurde. In der Nazi-Zeit, in einer für Priester sehr schwierigen Zeit, wirkte er vorerst als Kaplan in Znaim und Töstiz, dann in Muschau, wo er knapp nach Kriegsende das unermessliche Leid der Vertreibung der Deutschen aus der damaligen [[CSSR]] miterlebte. 

schulklasse1948
Schulklasse in Erdpreß, 1948 

 

Im Herbst 1945 fanden er und seine Mutter in Niedersulz eine neue Heimat. Er wurde Administrator der Pfarre Niedersulz.

Seine Aufgaben als Seelsorger und Pfarrer nahm er sehr ernst. Seine Gottesdienste und seine Predigten waren immer bestens vorbereitet. Er hatte ein umfangreiches theologisches Wissen, war sehr konsequent und hatte eher eine konservative Grundhaltung. Die Nachkriegsgeneration hat er im kirchlich-religiösen Bereich nachhaltig geprägt. Er kümmerte sich um die jungen Menschen, spielte mit ihnen Theater, unternahm mit ihnen Ausflüge, gründete die katholische Männerbewegung, hatte immer eine große Ministrantenschar und war bemüht, die kirchlichen Neuerungen des 2. Vatikanischen Konzils in seiner Pfarre umzusetzen. In den Fünfzigerjahren krönte er sein Theologiestudium mit dem Doktorat. Jahrelang wirkte er segensreich als Religionsprofessor an der Lehrerbildungsanstalt der Schulbrüder in Strebersdorf und an Wiener Gymnasien.

Trotz seiner vielfältigen Aktivitäten als Seelsorger und Lehrer war er rastlos und unermüdlich für alle Belange der Heimatvertriebenen tätig.

Er war bis zu seinem Tod Obmann der Südmährer in Österreich und Bundesobmann der [[Sudetendeutsche]]n Landsmannschaften. Denkmal seiner großen Heimatliebe ist der Südmährerhof im Museumsdorf Niedersulz, dessen Errichtung sein Verdienst ist.

 

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  Segnung der Schule, 1965 

Ab 1974, schon durch eine langjährige schwere Krankheit geschwächt, betreute er auch die Pfarre Loidesthal.

Ab dem Jahr 1972 feierte er auch jeden Sonntag in Erdpreß eine heilige Messe. Pfarrer Koch hat durch sein konsequentes Wirken und seine Ausdauer seiner Pfarre ein starkes Gepräge gegeben. Sein Wirken wurde von kirchlicher und staatlicher Seite mit hohen Titeln und Auszeichnungen gewürdigt.

Er war Ehrenbürger und Träger des Ehrenringes der Gemeinde Sulz im Weinviertel, bekam den Titel [[Monsignore]] und es wurde ihm das deutsche Bundesverdienstkreuz Erster Klasse verliehen. Prof. Dr. Koch war der letzte Priester, der im Pfarrhof Niedersulz wohnte. 

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Erstkommunion, 1970 

Er starb am 7. Juli 1986 und wurde in einem Ehrengrab im Ortsfriedhof Niedersulz bestattet.

Pater Johannes KOVACS (1986-1990):

Er sei besonders erwähnt, weil er es durchsetzte, dass das ALLERHEILIGSTE im [[Tabernakel]] der Kirche in Erdpreß ständig zugegen ist. Am 12. Juli 1987 feierte Pater Kovacs das Silberne Priesterjubiläum.

Miklos SANTHA (1990-1993)

Neben seiner großen Pfarre Hohenruppersdorf betreute er auch Niedersulz und Erdpreß, bis er nach dem Tod von Pfarrer Professor Wilhelm Wenzel Martinsdorf übernehmen musste. 

Konsistorialrat Engelbert KOHL (1993-1998):

Eine schwere Last hatte er mit der Pfarre Niedersulz-Erdpreß übernommen, später kam auch noch die Pfarre Obersulz-Blumenthal zu seinem Tätigkeitsbereich. Seine Hauptaufgabe war aber die religiöse Betreuung der Garnison Baden als Militärdekan. Die Belastung für ihn war übermenschlich. Es fiel ihm ungemein schwer, Zeit für die seelsorgerische Betreuung seiner Pfarren zu erübrigen. Er starb unerwartet während eines eintägigen Urlaubs in einer Gondel der [[Dachstein]]seilbahn.

 

Der Aushilfspriester

Franz BIERBAUMER (1998/99)

(damals Feuerwehrkurat in Wien) ging in die Geschichte der Pfarre ein, weil er mit Erlaubnis des Bischofs die dritte Glocke von Erdpreß weihte.

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Glockenweihe, Franz Bierbaumer

 

Vasile CIOBANU (1999 – 2002):

Der Gastpriester aus Rumänien war ein wahrer Segen für die Pfarrgemeinde. Er konnte den ziemlich erloschenen Kontakt zu den Kindern der Pfarre mit natürlichem Humor neu anbahnen. Viele Pfarrmitglieder schöpften neue Hoffnungen. Doch neben seinem Doktoratsstudium an der Universität wurde auch ihm die Betreuung der fünf Ortschaften der Pfarren Niedersulz und Obersulz zu viel. Er wurde Kooperator in der Pfarre St. Anton, in Wien X. Bald hatte er sein Studium abgeschlossen, und er kehrte 2004 nach Rumänien zurück.

Mag. Erich KLINGER (seit 2002): 

Am 1.9.2002 beginnt für die beiden Pfarren, und somit auch für Erdpreß, ein neuer Abschnitt – Pfarrer Mag. Erich KLINGER tritt seinen Dienst an. Als erster Eindruck steht in der Chronik: „Er ist sehr direkt und geht auf die Menschen zu. Er ist humorvoll, kontaktfreudig, unermüdlich für die Menschen seiner Pfarre tätig und ein echter Freund der Kinder.“

Es ist eine sehr schwierige Aufgabe, fünf sehr weit verstreute Orte seelsorglich zu betreuen. Viel Kraft und Freude und Idealismus sind dazu notwendig.

 

Einhundert Jahre Kirche Erdpreß


Wer für die Zukunft sorgen will,
muss die Vergangenheit mit Ehrfurcht aufnehmen.
([[Jean-Jacques Rousseau]])


 

Einhundert Jahre Kirche Erdpreß

(Johann Öttl, OSR Friedrich Wendy)

Erdpreß war seit jeher nach Niedersulz eingepfarrt und wurde von den Priestern in Niedersulz seelsorglich betreut.

Die Niedersulzer Pfarre wurde 1203 erstmalig urkundlich erwähnt anlässlich der Inkorporierung (Eingliederung) an das [[Stift Heiligenkreuz]].

Heiligenkreuz war im Jahre 1135 durch [[Markgraf]] Leopold III., den Heiligen, gegründet worden. Es ist das älteste [[Zisterzienser]]stift auf österreichischem Boden. 

heiligenkreuz
Zisterzienserstift Heiligenkreuz 

Erdpreß bestand sicher schon unter dem [[Babenberger]] Markgraf Leopold III., dem Heiligen, gestorben 1136, der hier Güter hatte und sie zu frommen Stiftungen verwendete. Der Ort war von deutschen Ansiedlern bewohnt und ein „Gemeinwesen, das in lebhafter wirtschaftlicher Entwicklung begriffen war“.

Beim Tod des letzten Babenbergers (Friedrich der Streitbare) 1246 hatten die Babenberger nur mehr ein [[Lehen]] in Erdprust. Zur gleichen Zeit hatte das Stift Heiligenkreuz, das schon durch die Gunst [[Herzog]] Leopolds V. (der Tugendhafte) ca. 1190 in Niedersulz reicher Grundherr war, 12 ½ Lehen in Erdprust. Auch der [[Deutsche Orden]], der im benachbarten Spannberg größere Besitzungen hatte, hatte einige Lehen in Erdpreß. Durch Schenkungen, durch Tausch und Kauf kam Heiligenkreuz allmählich zur Grundherrschaft in Erdpreß. Der Besitz wurde Niedersulz zur Verwaltung überwiesen. Nachdem 1651 [[Abt]] Michael von Heiligenkreuz die Herrschaft von Niederleis gekauft hatte, wurde Erdpreß mit Niedersulz dieser Herrschaft einverleibt.

Weiters waren an der [[Grundherrschaft]] in Erdpreß beteiligt die Herrschaften von Matzen und Wilfersdorf und das [[Domkapitel]] von Wien.

Seit dem 7. Jahrhundert hatte das [[Erzbistum]] Salzburg mit dem [[Suffraganbistum]] Passau die kirchliche Verwaltung unseres Gebietes.

Im Jahre 1469 wurde die [[Diözese]] Wien gegründet.

1722 wurde Wien Erzbistum.

1729 wurde die Pfarre Niedersulz der Wiener Erzdiözese zur kirchlichen Verwaltung und bischöflichen Betreuung übertragen.

Seit 1570 ist die Pfarre Niedersulz ununterbrochen von Priestern aus dem Stift Heiligenkreuz besetzt, ein zweiter Geistlicher oder [[Kooperator]] war ständig von 1696 bis 1884 in der Pfarre tätig.

Patres des Stiftes Heiligenkreuz betreuten die Pfarre bis 1945.

Im Jahre 1956 übernahm die Erzdiözese Wien die Aufgabe, für die Bestellung eines Priesters zu sorgen. Das Eigentum des Stiftes in der Pfarre Niedersulz wurde der Diözese übertragen.

Im Mai 1620 wurden Niedersulz und Erdpreß durch die Polaken (eigenes kaiserliches Kriegsvolk) geplündert und niedergebrannt. Die Kirchen in beiden Orten wurden ein Raub der Flammen. Beide wurden wieder errichtet.

In einer Beschreibung von Erdpreß um 1833 heißt es: „Im Dorf befindet sich eine dem [[heiligen Vitus]] geweihte Betkapelle, darin aber kein Gottesdienst abgehalten wird.“ Über das Aussehen der alten Kirche gibt es leider keine belegte Beschreibung und kein Bild. Sie stand am derzeit noch nicht regulierten Sulzbach gegenüber dem heutigen Haus Bruckner, Erdpreß Nr 53. Heute stehen dort eine Baumgruppe und ein von OSR HS-Direktor Heinrich Fichtinger geschnitztes sehr schönes Holzkreuz. 

kreuz
Holzkreuz 

Von dieser alten Kirche weiß man nur, dass der hölzerne Turm mit Glocken bestückt war, die nach dem Abbruch der Kirche auf einem großen Holzgestell im Garten der Volksschule montiert wurden (1899 – 1906). Zu Mittag wurden sie in diesen Jahren von den Schulkindern geläutet.

Im Jahre 1898 verfügte die Bezirkshauptmannschaft Mistelbach die Sperre der Ortskirche Erdpreß wegen Baufälligkeit. Daraufhin musste die Kirche abgetragen werden.

Nun fasste die kleine Gemeinde Erdpreß den Beschluss, unter vielen Opfern eine neue Kirche zu bauen. Die Hauptlast für die Erbauung des neuen Gotteshauses musste die Gemeinde tragen.

Es war nicht leicht, für die neue Kirche einen günstigen Platz zu bekommen. Schließlich wurde von Familie Seymann, Erdpreß Nr. 8, unentgeltlich der Platz neben ihrem Haus zur Verfügung gestellt, sodass die neue Kirche fast fugenlos in die nördliche Häuserzeile eingebunden werden konnte.

Nun erinnerte man sich an ein etwa zehn Jahre zurückliegendes Ereignis. 1884 war die Freiwillige Feuerwehr Erdpreß gegründet worden. Kurz darauf brannte der in der Einschicht stehende Gutshof (Antonshof) des [[Fürsten Liechtenstein]] im Gemeindegebiet Loidesthal. Die Erdpresser Feuerwehr war als erste am Brandplatz und löschte so professionell, dass der damalige Fürst Johann II. versprach: „Die Erdpresser haben etwas gut bei mir“.

Nach einer Vorsprache bei Fürst Johann II. sagte dieser zu, dass sein Hofbaumeister die Pläne für den Bau der Erdpresser Kirche erstellen würde. Hofarchitekt der Liechtensteiner war damals niemand geringerer als Karl Weinbrenner, dieser war Schüler des weltberühmten Wiener Ringstraßenarchitekten Friedrich von Schmidt.

Weinbrenner plante ein Gotteshaus, das der Finanzkraft der Gemeinde Erdpreß entsprach und doch einmalig und unverwechselbar ist.

Nach Fertigstellung der Pläne suchte die Gemeinde Erdpreß bei der Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf, die im Jahre 1901 errichtet worden war, um die Bewilligung für den Neubau einer Ortskapelle an ( Parzelle Nr. 104, Baubeschreibung: Innenmaß: 17,95 m Länge, 7,95 m Breite, Turm mit 20,8 m Höhe, feuersicher gemauert und eingedeckt).

Am 23. Juni 1904 fand die kommissionelle Bauverhandlung statt und die Baubewilligung wurde erteilt.

Ansehnliche Beträge für die Herstellung der Kirche wurden durch oft hellerweise Spenden aus nah und fern, besonders durch die bedeutenden Widmungen des regierenden Fürsten Johann von und zu Liechtenstein und der Barbara Putz, geborene Holzmann, mit je 1.200 Kronen aufgebracht. Der Sammeleifer hat sich zwar als sehr mühevoll, aber doch zugleich als lohnend erwiesen. Nach dem 9. Rechenschaftsberichte vom 30.9.1904 betrug der zum Neubau zur Verfügung stehende Fonds 6.817 K 72 h inklusive der Mittel, die die Gemeinde zur Verfügung stellte.

Am 9. März 1905 wurden alle Arbeiten für den Neubau der Kapelle an den Maurermeister Jakob Seehofer von Velm um den Betrag von 6.154 Kronen übergeben. Es wurde vereinbart, dass am 5. Juni die Grundsteinlegung zu erfolgen habe. Der Rohbau, sowie die Dacheindeckung, das Gesimse und der Turm bis zum Hauptgesims sind im Jahre 1905 fertig zu stellen. Die weiteren Arbeiten sind bis 1. September 1906 zu vollenden.

Am 5. Juni 1905 wurde das Fest der Grundsteinlegung für das Erdpresser Gotteshaus gefeiert. Am Eingang des Ortes erwarteten die Gemeindevertretung, die Schuljugend, alle Vereine und eine große Menschenmenge den Herrn Dechant Rupp und geleiteten ihn mit Musik und Glockengeläute zum Bauplatz. Ganz Erdpreß prangte im Festschmuck. Der Bauplatz war mit Fahnen und mit Laub- und Blumengirlanden hübsch dekoriert. Der Herr Dechant weihte den Grundstein für den Altar und segnete die Fundamente für die Kirche. Seine Ansprache schloss er mit den Worten: „Möge dieser Kirchenbau Jahrhunderte lang dem Allerhöchsten zur Ehre, den Erdpressern immerdar zum Heil und Segen gereichen“. Der Chronist schließt seinen Bericht: Diese schöne Feier wird allen Erdpressern zeitlebens eine frohe Erinnerung bleiben.

Das relativ steil abfallende Gelände musste abgegraben werden. Straßenseitig wurden Kirche und Turm auf Piloten gestellt.

Am 1. September 1906 war das Bauwerk fertig gestellt. 

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Finanziell fertig war auch die Gemeinde Erdpreß. Für die Inneneinrichtung musste von der NÖ. Landes-Hypothekenanstalt im Jahre 1907 ein Darlehen von 5.430 Kronen aufgenommen werden.

Der schöne Schnitzaltar mit den vier Evangelisten konnte erst im Jahr 1911 geschaffen werden (Erbauer Dominik FILL, Holzbildhauer, Mistelbach, Wiedengasse 10).

Die zwei Glocken der alten Kapelle läuteten nun vom Turm der neuen Kirche.

Der [[Erste Weltkrieg]] forderte auch von Erdpreß seinen Tribut – am 17. Mai 1917, ein halbes Jahr vor der Weihe des Gotteshauses, wurden die zwei Glocken dem Kriege geopfert und zur Eingießung ins Arsenal abgeliefert.

Am 19.11.1917 hat Seine Gnaden, der hochwürdige Herr Abt von Heiligenkreuz, Dr. Gregor Böck die neue Kirche geweiht, und das Ordinariat hat die Messlizenz vorläufig für drei Jahre erteilt mit der ausdrücklichen Bedingung, dass nur wöchentlich eine Schulmesse gelesen werden darf. Alle Häuser waren beflaggt, der Ort war festlich dekoriert. Nach der Weihe der Kapelle wurde die erste heilige Messe gefeiert.

Den Erdpressern wurde erklärt, dass die notwendigen Paramente und Messgewänder angeschafft werden müssen. Das dazu notwendige Geld müsse durch Spenden aufgebracht werden. Die Aufforderung des Pfarrers (Placidus von Arway) zur Sammlung des Geldes führte zum besten Erfolg; nach drei Wochen wurde ihm der Betrag von 2.471 Kronen übergeben.

Patron der Kirche ist der hl. Vitus ([[Veit]]):

Vitus gehört zu den volkstümlichsten Heiligen der katholischen Kirche. Im vierzehnten Jahrhundert wurde er in den Kreis der vierzehn Nothelfer aufgenommen. Unzählige Kirchen in vielen Ländern tragen den Namen des Märtyrers, die berühmteste ist der [[Veitsdom]] in Prag.

Am 9. Dezember 1917 wurde der Kreuzweg der Kirche Erdpreß durch einen Franziskanerpater geweiht. 

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Altar u. neuer Volksaltar

In der politisch und wirtschaftlich bösen Zwischenkriegszeit konnte eine uralte Glocke, gegossen 1570, angekauft werden. Ein kleines Zügenglöcklein (Totenglocke) wurde 1929 von der Milchgenossenschaft gespendet. Sie überstand als einzige auf dem Turm hängend das Inferno des Zweiten Weltkrieges. Die große alte Glocke wurde am 4. Juni 1942 für Kriegszwecke abgenommen.

 

Schon im Jahre 1946 bestellte die Gemeinde bei der Firma Pfundner eine große Glocke, die in dieser Notzeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ausschließlich mit Lebensmitteln (Schmalz, Mehl, Wein etc.) bezahlt wurde.

1953 spendeten die Erdpresser eine Glocke für die Pfarrkirche Niedersulz. Am 20.9.1998 erhielt Erdpreß eine dritte Glocke, um das armselige Geläute, das aus einer sehr großen und einer sehr kleinen Glocke bestand, zu vervollständigen. 

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Frau Maria Neumayer u. Urenkel, 1998 

Bevor das Geläute elektrifiziert wurde, läutete Frau Maria Neumayer, Erdpreß Nr. 8, über 50 Jahre hindurch täglich dreimal die Glocken zum Gebet. Sie erhielt dafür ein Diplom aus der Hand des damaligen Seelsorgers Hochwürden Franz Bierbaumer.

 

Die Kirche Erdpreß wurde nach dem Zweiten Weltkrieg einige Male restauriert, zum letzten Mal im Jahr 2002. Da nahmen einige junge Professionisten unter der Führung von Dachdeckermeister Ferdinand WÜRRER Nr. 115 mit einem Leihgerüst die General-Außensanierung der Kirche und des Turmes vor.

 

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Das Kirchendach wurde verschalt und neu eingedeckt und mit einer Blitzschutzanlage versehen. Das Material bezahlte die Gemeinde Sulz, die Arbeit wurde von den fleißigen Helfern unentgeltlich geleistet.

 

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General-Außensanierung, 2002 

Im Jahr 2003 erfolgte ganz spontan die Innenrenovierung des Gotteshauses. Das ergab sich so: In der Pfarre Niedersulz gab es in diesem Jahr nur Erstkommunionkinder aus Erdpreß. Pfarrer Hochwürden Mag. Klinger sagte zu, die Erstkommunion in Erdpreß zu feiern, wenn die Kirche auch innen renoviert würde. Unter der Leitung von Malermeister Gerhard Schuller malten einige Erdpresser Maler die Kirche komplett aus. In drei Tagen war die Kirche ausgeräumt, frisch gefärbelt und wieder eingeräumt. – Die Erstkommunion fand in Erdpreß in der renovierten Kirche statt.

 

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Erstkommunion mit Pfarrer Klinger, 2003 

 

Im Spätwinter des Jahres 2005 (Februar, März) ging ein lang gehegter Wunsch von Pfarrer Klinger in Erfüllung: Ein den liturgischen Richtlinien und den Proportionen der Kirche entsprechender [[Volksaltar]] wurde errichtet.

Unter der Leitung von Prof. Josef GEISSLER vom Weinviertler Museumsdorf stellten die beiden ortsansässigen Tischler Hannes WIESINGER und Alois GLÜCK in der Werkstatt der Firma BÖHM-MITSCH in Spannberg den neuen sehr schönen und würdigen Volksaltar her.

 

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Kirche, innen 

Anschließend vergoldete und marmorierte Prof. GEISSLER in der Werkstatt des Malermeisters Gerhard SCHULLER sowohl den alten Altar, der den Erdpressern ans Herz gewachsen war und auch nach dem neuen Konzept erhalten werden konnte, als auch den neuen Volksaltar. Der gelernte Maler Josef WIESINGER Nr. 104 half dabei tatkräftig. Dank gebührt den oben genannten Firmen, die ihre Werkräume kostenlos für den guten Zweck zur Verfügung stellten.

 

Nach der Zusammenlegung der Gemeinden im Jahre 1972 haben die Erdpresser sehr viel Eigenleistung, Geld und Arbeit eingebracht für die Feuerwehr, das Gemeindeamtshaus und nun auch für ihre Kirche. Das Gotteshaus in Erdpreß ist eine der wenigen Kirchen, die Eigentum der Gemeinde und nicht der Diözese ist. Für das Material der Innen- und Außenrenovierung der Kirche (Dachziegel, Dachlatten, Schalbretter, Dachpappe, Dachrinnen, Blitzschutzanlage, Farbe, Wasseranschluss, Holz für den Volksaltar, Blattgold usw.) bezahlte die Marktgemeinde Sulz im Weinviertel rund € 54.000,-.

Kirchenamtlich wurde die Erdpresser Kirche immer nur als Betkapelle bezeichnet. Sonntagsgottesdienste wurden deswegen bis zum Jahre 1972 nur in der Pfarrkirche Niedersulz gefeiert, um die Einheit der Pfarre zu bewahren. Regelmäßig gingen die Erdpresser bei jedem Wind und Wetter nach Niedersulz, um an Sonn- und Feiertagen die heilige Messe mitzufeiern. Später fuhren viele mit dem Rad. Als die Autos aufkamen, bildete man Fahrgemeinschaften für den Gottesdienstbesuch. Seit dem Jahr 1972 werden auch in der Kirche zu Erdpreß Sonntagsgottesdienste oder Vorabendgottesdienste gefeiert.

Der gute Organist Johann WÜRRER, Erdpreß Nr. 27, bemüht sich seit frühester Jugend um würdige Gestaltung der Gottesdienste in Erdpreß. Den Mesnerdienst und die Aufgaben einer Vorbeterin versieht Frau Gertrud ÖTTL, Erdpreß Nr. 4, seit vielen Jahren umsichtig und sehr gewissenhaft.

1984 wurde das ehemalige [[Milchhaus]], das 1904 gebaut worden war, von der Pfarre gekauft und als Pfarrheim eingerichtet. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft brachte es mit sich, dass die Milchgenossenschaft 1974 aufgelöst wurde. Der Altwarenhändler Knoll kaufte das Milchhaus und nützte die Räume als Magazin. Die schöne alte Fassade aus der Zeit der Jahrhundertwende wurde leider abgehackt und durch eine neue glatte ersetzt.

Am 21. Oktober 1979 verstarb in Prottes die 91-Jährige Geschäftsfrau Emma HELM. Diese alte Frau, die Witwe war und kinderlos starb, vermachte der Pfarrgemeinde Erdpreß in ihrem Testament den Betrag von 300.000,- Schilling.

Wie kam Frau Helm, die hierorts völlig unbekannt war, zu dieser Entscheidung? Ihre Mutter, Frau Barbara Eichinger, war 1876 als Tochter der Eheleute Johann und Anna-Maria SEYMANN im Haus Erdpreß Nr. 8 zur Welt gekommen. Diese hatten, wie schon erwähnt, den Bauplatz für die Kirche gespendet und von ihrer großen Liegenschaft abgetrennt. Als ihre Tochter Barbara nach Prottes heiratete, beschlossen die sehr wohlhabenden Halblehner, ihrer Tochter zu folgen. Sie verkauften nach und nach all ihre Liegenschaften in Erdpreß und transferierten ihr ganzes Vermögen nach Prottes.

Aus der Ehe ihrer Tochter Barbara Eichinger entspross 1888 eine Tochter namens Emma, später verehelichte HELM, die Wohltäterin der Pfarre. Sie erinnerte sich ihrer Erdpresser Wurzeln und bedachte Erdpreß in ihrem Testament.

Im Todesjahr der Frau Emma HELM 1979 entschloss sich der Altwarenhändler Albrecht KNOLL das zum Magazin umfunktionierte Milchhaus zu verkaufen. Der damalige Pfarrer Dr. Josef KOCH kaufte es für die Pfarrgemeinde. Der stolze Kaufpreis betrug 150.000,- Schilling.

Das Milchhaus wurde nach und nach in vielen freiwilligen Stunden Gemeinschaftsarbeit als Pfarrheim adaptiert.

 

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Pfarrheim Erdpreß (ehem. Milchaus) 

Der Restbetrag des Helmschen Erbes war bald für Materialkosten aufgebraucht. Alle Arbeiten wurden von ortsansässigen Professionisten und Helfern unentgeltlich durchgeführt.

 

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Pfarrer Koch konnte noch einige Jahre die Räume, die als Pfarrheim eingerichtet worden waren, allerdings schon gezeichnet von schwerer Krankheit, nutzen.

Bald hatte sich auch die Kühlgemeinschaft aufgelöst, deren Kühlfächer im Milchhaus untergebracht waren. Im dadurch frei werdenden Raum wurden WC-Anlagen installiert, und ein Raum für die Jugend wurde eingerichtet. Diese Arbeiten, die Wasserzuleitung und die Errichtung einer Kläranlage verschlangen viel Geld, obwohl wieder fast alle Arbeiter keine Entschädigung für ihre Leistungen verlangten.

Die Erdpresser spendeten sehr großzügig, Singgemeinschaft und Frauenbewegung machten Veranstaltungen für den guten Zweck, doch es fehlte schließlich noch immer eine Küche, die man so notwendig gebraucht hätte.

Der Pfarrgemeinderat Otto NEUMAYER besuchte zu dieser Zeit ein Seminar, bei dem auch der damalige Finanz-Landesrat Erwin PRÖLL anwesend war. Otto Neumayer schilderte ihm die prekäre Situation das Pfarrheim betreffend. Erwin PRÖLL, der jetzige Landeshauptmann, versprach, der kleinen Katastralgemeinde zu helfen. Der Herr Landesrat bewies Augenmaß – es wurden ATS 25.ooo,- aus Landesmitteln überwiesen. Nun konnte man Material kaufen und Tischler, Fliesenleger, Elektriker und freiwillige Helfer begannen wie die Heinzelmännchen zu werken, und in 14 Tagen war die Küche fertig.

Nach und nach wurden folgende Arbeiten am Pfarrheim durchgeführt: das ganze Haus wurde gegen aufsteigende Feuchtigkeit isoliert, auf dem Dachboden wurden Wärmedämmplatten aufgelegt, die Zentralheizung wurde installiert, zuerst wurde sie mit Holz befeuert, später wurde die Gasheizung installiert, Wärmedämmplatten wurden auf den Außenmauern aufgebracht, schon zweimal wurde von hiesigen Malern die Fassade gefärbelt, im Juni 2003 wurde unter Führung des Dachdeckers Josef MÜNZKER, Nr. 180, das Dach mit einer Schalung versehen, darauf wurde Dachpappe aufgelegt, das ganze Dach wurde neu eingedeckt, neue Dachrinnen und Saumbleche wurden angebracht.

Für das Pfarrheim wurden insgesamt ATS 578.995,- Bargeld ausgegeben.

Dieser Betrag wurde wie folgt aufgebracht:

Erbschaft Helm

ATS 290.000,-

Erzdiözese

ATS 248.365,-

N.Ö. Landesregierung

ATS 25.000,-

Spenden/Vereine

ATS 15.630,-

Die Eigenleistungen können mit rund ATS 355.000,- bewertet werden.

Die Ortsgruppe des österreichischen Seniorenbundes steuerte Beleuchtungskörper bei, der Dorferneuerungsverein stellte sich mit drei Lustern für den Saal und für den Jugendraum ein – eine Geschichte von uneigennütziger Hilfsbereitschaft, die niemals enden sollte.

Im Pfarrheim finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt, um die sich Johann ÖTTL, der ehemalige Leiter des Bildungs- und Heimatwerkes Erdpreß, sehr bemüht: Dichterlesungen, Lichtbildvorträge (Rudolf Würrer), gemeinsames Singen, Fotoausstellungen usw. finden regelmäßig statt. Monatlich treffen sich die Senioren im Pfarrheim, um miteinander zu plaudern und gemeinsam zu feiern. Die Jugend hat einen Raum zur Verfügung, wo man sich regelmäßig trifft. Auch der Kameradschaftsbund, die Freiwillige Feuerwehr, die Frauenbewegung und vor allem der Dorferneuerungsverein nutzen das Pfarrheim für Veranstaltungen und Versammlungen. Dieses Haus ist ein echtes Kommunikationszentrum für Erdpreß geworden, nachdem im Jahre 1979 das Gasthaus geschlossen worden war.

 

pfarrheim-lebenshilfe2003
Faschingsfest mit Behinderten der Lebenshilfe-Werkstatt Matzen, 2003 

 

Jahrzehnte lang schon befinden sich unsere Orte in einem Strukturwandel.

Vieles hat sich in Gesellschaft und Kirche verändert.

Die Arbeitsplätze im Ort werden durch die rasante Veränderung im Bereich der Landwirtschaft immer weniger. Jugendliche wandern ab. Viele Erdpresser müssen zu ihrer Berufstätigkeit auspendeln. Gemeinden wurden zu Großgemeinden zusammengelegt. Die kleinen Schulen wurden stillgelegt. Die Zahl der Kirchenbesucher hat abgenommen. Der Priestermangel führte dazu, dass ein Priester mehrere Pfarren betreuen muss.

Die Veränderungen werden weiter gehen. Trotz all dem, ist Erdpreß eine lebendige Gemeinde mit gutem Gemeinschaftsbewusstsein. Die Vereine arbeiten gut mit der Pfarre zusammen. Man weiß, wie man sich gegenseitig ergänzen kann. Dass eine Dorfgemeinschaft sich so für Kirche, Pfarrheim und die Feuerwehr engagiert, ist nicht selbstverständlich. Hier ergeben sich neue Formen der Pastoral durch Förderung der Menschlichkeit und der Brüderlichkeit, um die sich Mag. Klinger sehr bemüht.

Wir wünschen dem hochwürdigen Herrn Pfarrer von Herzen, dass es ihm gelingen möge, aus Erdpreß eine mitsorgende Pfarrgemeinde zu formen. Erdpreß und er, so meinen wir, sind auf einem guten Weg dorthin.

Möge die Erdpresser Kirche auch im den nächsten hundert Jahren dem Allerhöchsten zur Ehre und den Erdpressern immerdar zum Heil und Segen gereichen.

Maigang – Ein Bittgang für Erdpreß

Ein Projekt im Rahmen des Weinviertel-Festival 2004

Wenn Gegenwart und Vergangenheit aufeinander treffen. Viele Gebäude und Einrichtungen in unseren Dörfern haben ihren ursprünglichen Nutzen heute verloren oder wurden sogar entfernt. Mit Ausnahme von alten Fotoaufnahmen existiert kein Hinweis mehr auf diese verloren gegangene Alltagskultur unserer Vorfahren und ihre Bedeutung für das Leben im Dorf, sowohl bezüglich der sozialen Zusammenhänge als auch bezüglich der Tatsache, dass die Dörfer weitgehend autark waren und alle im bäuerlichen Alltagsleben notwendigen Gegenstände im Ort hergestellt konnten. Viele Handwerker arbeiteten im Dorf, vom Schmied über den Tischler bis zum Fassbinder, Schneider, Schuster und Bäcker. Und was man sonst noch brauchte fürs tägliche Leben, gab es beim Greißler. In Anlehnung an Kreuzweg-Marterln werden im Dorf Erdpreß in der Gemeinde Sulz zu einer Reihe von Standorten Hinweistafeln angebracht, die die ursprüngliche und heute zumeist nicht mehr erkennbare Nutzung wieder in Erinnerung rufen. Sie bilden einen Rundwanderweg durch das Dorf, der gleichsam zu einer Zeitreise in die Vergangenheit wird, eine Vergangenheit, die von der bäuerlichen Lebensart und ihren Bedürfnissen geprägt war und die perfekt darauf abgestimmt war. Textstelen aus Metall von Herbert Christian Stöger werden mit Objekten aus Keramik von Martha Plößnig kombiniert. Sowohl die Texte als auch die Keramiken nehmen auf das jeweilige Gebäude und dessen ehemalige Verwendung Bezug.

Programmablauf Eröffnung: So 2. 5. 18 Uhr beim Pfarrsaal (Milchhaus). Zur Ausstellung spricht Joop Roeland, Rektor der Ruprechtskirche Wien, Leserinnen und Leser aus den Dörfern, Musik: Bläserquintett „NiedErd“, An folgenden Orten werden Objekte: gezeigt: Kellergasse, Milchhaus, Heuriger, Schule, Schneider, Ross- Schwemme, Greißler, Bäcker. Finissage: So 19. 9. 10 Uhr, Erdpreß Nr. 18, (bei Schlechtwetter im Milchhaus) Versteigerung

Mitwirkende: Herbert Christian Stöger (Künstler, Autor), Martha Plößnig (Künstlerin, Kuratorin), Dorferneuerung Erdpreß

Entdeckung eines Erdölfelds in Erdpress

Im März 2003 vermeldete die OMV den "größten österreichischen Ölfund seit 25 Jahren". In einem Randgebiet des Matzener Hauptfeldes war die Explorationsbohrung "Erdpress 1" 2926 Meter in die Tiefe gedrungen und dabei auf Öl- und Gasvorkommen in zwölf Gesteinshorizonten gestoßen.